Maibaum-Aktion - eine MVG-Tradition auch in diesem Jahr

Beitrag von Martin Brauner (NEWS-Redaktion) |

"Kameradschaftspflege steht im Vordergrund"

Maibaum-Aktionen“

Im sprachlichen Jargon ist der „Maibaum“ nur ein Pseudonym; in der Realität handelt es sich dabei in den norddeutschen Regionen um eine Birke. Der Musikverein Garrel stellte erstmalig 1974 vor dem Vereinslokal Niemann einen Maibaum auf. Die Mitglieder trafen sich am Vortag zum Grünholen und Kranzbinden. Die passende, hochstämmige Birke fand eine Abordnung im benachbarten Peterwald.

Das Aufrichten des Maibaums folgte am 30. April 1974 gegen 19.30 Uhr durch die Muskelkraft der anwesenden Vereinsmitglieder. Zuvor hatte man den Maibaum mit selbst gebastelten Papierblumen und einem Kranz aus Tannengrün dekoriert. Die verbleibenden Stunden bis Mitternacht überbrückten die Musikerfreunde in geselliger Runde im Vereinslokal.

Pünktlich mit dem Glockenschlag der katholischen Kirche spielten die Mitglieder des Musikvereins Garrel dann am 01. Mai das von Justus Wilhelm Lyra 1842 vertonte und von Emanuel Geibel geschriebene Frühlingsgedicht „Der Mai ist gekommen“.

Hartnäckig wurden dabei alle sechs Strophen vorgetragen. Am Ende spendierte der Vereinswirt Josef Niemann die von den Musikern sehnlichst erwartete Runde Schnaps. Natürlich musste anschließend auch noch der Maibaum intensiv begossen werden.

Was 1974 so seinen Anfang nahm, hat auch noch im Jahr 2020 Tradition. Selbstverständlich wurde die „Maibaum-Aktion“ in all den Jahren stets auf die Bedürfnisse der teilnehmenden Mitglieder angepasst.

Mit Beginn der 90er Jahr gaben sich die Musiker jedoch nicht mehr mit einer natürlichen Birke zufrieden. Der Baum sollte größer und eindrucksvoller werden! Bereits in den Wintermonaten 1991 fällte eine Abordnung eine zuvor ausgesuchte Fichte, die das geforderte Mindestmaß von 16 m erfüllte. Der Stamm wurde anschließend geschält, gehobelt und geschliffen sowie in den Farben grün / weiß gestrichen. Durch eine im Vorfeld akribisch ausgereifte Konstruktion ist der Maibaum seit dem mit einer einzigartigen Bodenverankerung ausgestattet.

Da der Stamm nun jährlich wieder verwendet werden konnte, organisierte der Tenorhornspieler Hubert Puff, Thüler Straße, eine Unterbringung in seiner Scheune. Dieses „Winterquartier“ nutzte der Musikverein bis Mai 2000, bevor die nächste Einlagerung zum Vereinsmitglied Hubert Wegmann, Tannenkampstraße, wechselte.

Eine Schrecksekunde durchlebten die anwesenden Mitglieder Ende Mai 1999. Durch eine Unachtsamkeit beim Abbau stürzte der halb gesenkte Maibaum plötzlich aus 5m Höhe auf die Erde. Zum Glück hatten die Protagonisten die Fläche vor dem Vereinslokal Niemann weiträumig abgesperrt, sodass niemand zu Schaden kam. Lediglich der Stamm verkürzte sich durch dieses Malheur um ca. 3 m.

Im Jahr 2002 stand der Maibaum genau 17 Stunden, bevor eine plötzliche Windböe die Spitze herausdrehte, sodass diese zu Boden krachte. Zum Glück verursachte diese Böe keine weiteren Schäden.

Auch das Schaltjahr 2004 führte zu einem Umdenken der im Musikverein bislang gepflegten Tradition. Erstmalig hatten sich die weiblichen Mitglieder für das Baum- und Grünholen sowie das Kranzbinden ausgesprochen, während die Männer für die Blumendekoration zuständig waren. „Dat ick so watt noch beläben mott...!“ so der trockene Kommentar von Bernd Torbecke.

Ein besonderes Highlight erlebten die anwesenden Musiker und Gäste beim nächtlichen Maiwecken im Jahr 2007. Als Dirigentin Stephanie Looschen um 0.00 Uhr vor dem Vereinslokal den Taktstock erhob, konnte sie sechs (!) Tubisten willkommen heißen.

Natürlich hatten sich die sechs Herren (Markus Brüning, Josef Hinxlage, Günther Meyer, Gerald Otten, Hubert Puff jr. und Bernd Torbecke) beim Ständchen in der ersten Reihe postiert. Diese außergewöhnliche und eindrucksvolle Besetzung des Tubenregisters wurde mit viel Gelächter und Applaus der anwesenden Gäste belohnt und sollte in der anschließenden geselligen Runde im Vereinslokal Niemann noch für reichlich Gesprächsstoff sorgen.

Parallel steht das Jahr 2007 aber auch für ein negatives Ereignis: Am 08. Mai erfasste gegen Mittag eine Sturmböe den Maibaum, der dann zu Boden krachte und den Stamm in vier Teile zerbersten ließ.

Hierbei hatte der Musikverein Glück im Unglück: Personenschäden gab es nicht zu beklagen. Die Schadensbilanz war dennoch beachtlich. Zwei in diesem Bereich parkende Autos erlitten größere Schäden, wobei einer letztendlich von der Versicherung als „schrottreif“ eingestuft wurde.

Blitz und Donner sowie ein Starkregen machten 2009 das nächtliche Konzert unter dem Maibaum unmöglich. Während der Maibaum noch im Trockenen aufgestellt werden konnte, zog am späten Abend des 30. April ein gefährliches Gewitter auf, das gerade in den Außenbezirken Garrels größere Schäden anrichtete.

Dirigentin Stephanie Looschen servierte sogleich einen Plan B: Der Musikverein brachte dem nebenan im Saal feiernden Gesangverein ein Überraschungsständchen.

Nach Schließung des Gasthofes Niemann musste leider 2011 das seit 1974 traditionelle Maibaumsetzen erstmalig in der Vereinsgeschichte ausfallen. Bei der Suche nach einem neuen Vereinslokal wurde der Musikverein 2012 bei der Bürgerklause Tapken fündig. Diese Partnerschaft besiegelte man beim Maibaumsetzen.

Seit 2012 verzichten die Musikerfreunde bei der Feier zum 1. Mai auf ihre Instrumente. Alternativ sorgt Tubist Josef Hinxlage mit seinem Akkordeon für reichlich Stimmung, während das Mai-Lied lautstark von den Vereinsmitglieder gesungen wird.

Eine Besonderheit gab es 2017. Einige Amerikaner, die auf Einladung des Heimatvereins die Familiengeschichte ihrer Vorfahren aus Garrel erforschten, wohnten dem Brauchtum des Maibaumsetzens mit großer Begeisterung bei.


2018 - Der Spaß an der Aktion ist unverkennbar
1998 - Die Vorbereitungen sind stets zeitaufwendig
2010 - der letzte Maibaum vor dem damaligen Vereinslokal Niemann